Immer lauter schallt es: Es kann so nicht weitergehen! Und dabei ist das Ende des sogenannten Mayakalenders mit seinem datierten Weltuntergang nur eine Randerscheinung – auch wenn die „kassemachende Wirtschaft“ dies schon lange für ihre Strategien entdeckt hat. Finanzexperten rufen zum Umdenken. Umweltaktivisten fühlen sich durch teilweise rasante Klimaveränderungen reichlich bestätigt. Die Altersarmut hält ihr erschreckendes Fähnchen nach oben – denkt an Eure Renten. Und wie es gesundheitspolitisch weitergehen soll … Alles scheint im Umbruch. Optimisten wollen aufbrechen. Fragt man jedoch:” Wohin eigentlich?” bleiben erstrebenswerte Ziele merkwürdig vernebelt. Ist es so, wie es Mark Twain, der bekannte Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, mal formuliert hat: „Als wir das Ziel aus den Augen verloren hatten, haben wir die Geschwindigkeit verdoppelt.“
Der „Ruf zur Umkehr“, der in den Kirchen inzwischen fast seltener zu hören ist als außerhalb der christlichen Traditionen, ist aktueller denn je! Aber: Wie ist die ursprünglichste, biblische Botschaft zu verstehen? Und: Gibt sie wirklich Lebenshilfe? Oder bleibt es beim schlechten Gewissen? Dem: „Eigentlich müsste man“?
Zunächst: Was hat „umkehren“ mit „büßen“ zu tun? Nichts! Umkehren, neu anfangen (können), das Leben zu ändern, die Lebensperspektive (und damit die Lebensplanung) zu überdenken, sich neu orientieren – dazu ruft Jesus auf! Damit steht er in einer langen Reihe biblischer Botschafter, der Propheten des alten Bundes. Und dessen bekanntestem Gegenwartsvertreter (zur irdischen Lebenszeit Jesu), der „Stimme des Rufers in der Wüste“ (Jes. 40,3), den sie – die jüdische Obrigkeit – gerade (mund-)tot gemacht haben – Johannes, dem Täufer. „Kehrt um“, gemeint ist im aramäischen, der Umgangssprache in Israel damals, das buchstäbliche „umkehren“. Wer vor eine Mauer läuft, hat nur drei Möglichkeiten: die Mauer überspringen (wer kann das schon?), sich eine blutige Nase holen oder umzukehren. Raus aus der Sackgasse!
Die Sprache des Neuen Testaments – altgriechisch (damals so hilfreich als internationale Sprache wie heute etwa das Englische!) – steuert noch den Aspekt bei, wo „Umkehr“ beginnt: nämlich mit dem „Umdenken“. Denkt neu, brecht die Mauern des Gewohnten – des Gewöhnlichen – auf. Wagt neue Gedanken. Lasst euch darauf ein, dass alles auch ganz anders sein kann. Und ganz anders einzuordnen wäre. Genau darum geht es Jesus!
Das Reich Gottes ist nahe. So nah, dass es jetzt (!) greifbar ist. Jetzt kann es erfahren werden. Jetzt muss es erfasst werden. Wo Jesus ist, da ist Reich Gottes. Da hat Gottes heilvolle Herrschaft begonnen. Die Zeit des Wartens ist vorbei. Auch die Zeit der Ausreden. Und der Kompromisse. Wer das Reich Gottes in der Person Jesus Christus nicht hier und jetzt ergreift – wer diese einmalige Gelegenheit im wahrsten Sinne des Wortes „vorübergehen“ lässt (und nicht umkehrt und hinterher läuft!) – für den kann und wird es auch einmal ein „zu spät“ geben!
Wir öffnen unsere Fenster, weil die Sonne scheint und nicht, damit sie scheint. Darauf haben wir doch gar keinen Einfluss! Auch noch so viel „Umkehr“ kann das Reich Gottes nicht herbeizwingen. Wir haben die Chance umzukehren, weil das Reich Gottes da ist – in Jesus!
Und damit sind wir bei dem missverständlichen Zungenschlag, der mit der Übersetzung der Bibel in’s Lateinische hinzugekommen ist. Während im griechischen „umkehren“ oder „Buße tun“ eine leistungsunabhängige Änderung der Geisteshaltung meinte, ist das Wort „Buße“ im Lateinischen und somit auch in unserer Sprache immer mit einer Bußleistung gemeinsam gedacht worden. Der Bußgeldkatalog für Verkehrssünder ist nur ein Beispiel für dieses Denken. Als ob irgendjemand vor Gott etwas abbüßen könnte.
Und doch strengen sich Menschen bis heute an, es Gott recht machen zu wollen, indem sie „abbüßen“. Verzicht auf eigene Leistung und wegsehen von den eigenen Bemühungen widerspricht allerdings unserer narzisstisch – um sich selbst kreisenden – Gesellschaft zutiefst. Und damit auch unserem daher geprägten Individualismus.
Aber: das wäre doch mal ein Anfang! Und das nicht nur für „Anfänger“ im Glauben. Gerade auch die „Fortgeschrittenen“, die bereits Jesus Nachfolgenden, dürfen diese frohmachende Botschaft hören und (neu) annehmen: Glaubt an das Evangelium! Glaubt an die gute Nachricht: Gott liebt Dich und will die Ewigkeit mit Dir teilen! Die Umkehr liegt im Vertrauen! Vertrauen wagen! Wage es, dem Wort Gottes zu vertrauen. Sieh auf das, was Jesus für Dich getan hat. Weil er Dich unendlich liebt. Vertraue dem, was ER Dir sagt. Auch wenn das im Vergleich zu unserem aktivitätsüberfüllten Alltag wenig erscheint, wird dieses schlichte „Hören und (dann erst) Tun“ Dein Leben revolutionieren! Weil Du anfängst, das Wesentliche zu tun. Und damit bewegst Du Dich in seinen Segensspuren und wirst seine Gegenwart mehr und mehr in Deinem Alltag erfahren. „Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen.“
Der HERR ist nahe! (Phil. 4,5)
Bernd Niemeier